Retro der Woche 42/2015

„Proof Games of the Future“, also Beweispartien, in denen mindestens zwei Themen mindestens doppelt gesetzt sind, sind in den letzten Jahren der große Renner, solche Aufgaben landen sehr oft auf den führenden Rängen der Preisberichte renommierter Retrospalten.

Aber vielleicht gerade deshalb freue ich mich über Abwechslung, über hervorragende Beweispartien, die nicht in dieses Grundschema fallen, die aber trotzdem exquisiten Inhalt zeigen.

Ein solches Stück ist die Aufgabe, die ich heute ausgesucht habe.

Eric Pichouron
StrateGems 2011, 2. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 20,0 Zügen (13+12)

 

Bei Schwarz sind wir sehr schnell mit dem Zählen der sichtbaren Züge fertig; bei Weiß lohnt sich die Mühe eher.

Dort kommen wir auf 4+0+4+2+4+7=21 — doch das kann nicht sein, da die Stellung in 20 Zügen erspielt werden muss.

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Retro der Woche 41/2015

Nach meinen Glückwünschen zu seinem Geburtstag erhielt ich eine sehr freundliche und persönliche Mail von Erich Bartel, in der er sich unter anderem sinngemäß als blutigen Retro-Laien bezeichnete.

Das hat mich natürlich gereizt und mich veranlasst, doch mal genauer nach seinen Retros zu schauen.

Viele seiner Retros sind kleine, pointierte Hilfsrückzüger, aber dann stolperte ich über eine Aufgabe von ihm, die ich heute vorführen möchte, die so gar nicht nach blutigem Laien ausschaut.

Erich Bartel
Die Schwalbe 1968
#1 vor 8 Zügen, VRZ Proca (6+15)

 

Im Verteidigungsrückzüger nehmen bekanntlich beide Seiten legale Züge zurück; Weiß versucht dabei, eine Stellung zu erreichen, in der er die Vorwärtsforderung (hier also Matt in einem Zug) erreichen kann; Schwarz versucht das zu verhindern. Beim Typ Proca entscheidet die zurücknehmende Partei, ob und ggf. was sie mit der Zugrücknahme entschlagen hat.

Nehmen wir zunächst eine Inventur der Stellung vor:

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Retro der Woche 40/2015

Im gerade erschienenen Oktober-Heft von StrateGems finden sich die Preisberichte für Beweispartien und (übrige) Retros für das Jahr 2014; Richter war Bernd Gräfrath.

Während sich seine Zufriedenheit mit den restlichen Retros sehr in Grenzen hielt (von den 14 Aufgaben des Jahrgangs zeichnete er nur ein Anticirce-Proca von Weeth/Wenda aus), war er von der Qualität der Beweispartien sehr angetan, dort hat er 10 von 24 teilnehmenden Aufgaben ausgezeichnet.

Der erste Preis ging an folgende ukrainisch-französische Gemeinschaftsproduktion: Bei den Autorennahmen kann man natürlich eine Menge erwarten, und es lohnt sich auf alle Fälle, das Stück genau zu analysieren.

Andrej Frolkin & Nicolas Dupont
StrateGems 2014, 1. Preis
Beweispartie in 28,5 Zügen (13+13)

 

Die übliche Züge-Zählerei scheint uns nicht allzu sehr weiter zu bringen. Bei Weiß ergeben sich, wenn man von kurzer Rochade ausgeht, 1+1+4+2+3+4=15 Züge, bei Schwarz 2+2+2+3+3+2=14 Züge — dabei haben wir schon berücksichtigt, dass [Sb8] gezogen haben muss, um [Ta8] heraus zu lassen.

Schauen wir uns also noch an, welche Steine fehlen.

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Retro der Woche 39/2015

In der letzten Woche hatte ich einen Madrasi-Verteidigungsrückzüger von Klaus Wenda vorgestellt, in dem vier e.p.-Schläge vorkamen. Wie schaut der Rekord bei klassischen Retros ohne irgendwelche Zusatzbedingungen aus?

Der liegt bei drei — und ist nun schon hundert Jahre alt: kaum zu glauben! Dass dieses Stück eines der bekanntesten Retros überhaupt ist, ist deswegen nicht verwunderlich, speziell, da es zu einer Zeit entstand, als Retros noch fast „automatisch“ mit Vorwärtsforderungen wie etwa „Matt in zwei Zügen“ verbunden waren, sich fast auschließlich mit möglichst tiefen Begründungen für e.p.-Schlüsselzüge oder den Ausschluss von Rochaden beschäftigten.

Niels Høeg
20 Retrograde Analysis 1915
Welches waren die letzten Einzelzüge? (16+10)

 

Der schwarze König steht im Schach, Weiß muss also mit der Rücknahme beginnen. Bevor wir uns allerdings um diesen ersten Zug kümmern, betrachten wir zunächst wie üblich die Schlagbilanz.

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Retro der Woche 38/2015

Ganz herzliche Glückwünsche gehen heute nach Österreich, wo Klaus Wenda heute seinen 74. Geburtstag feiert. Heute vor einem Jahr war ich schon kurz auf Klaus’ vielfältige Aktivitäten um das Problemschach eingegangen und hatte dort auch einen der erstern Verteidigungsrückzüger mit der Märchenbedingung Anticirce vorgestellt. Das war 2001, als der Artikel erschien, nicht zu ahnen, welchen Boom Klaus mit dieser Idee auslösen würde.

Aber auch schon vorher hat er sich mit (Märchen-) Retros beschäftigt; seine besondere Vorliebe galt hier der Madrasi-Bedingung (Definition aus dem Schwalbe-Lexikon: „Wird ein Stein (außer König) von einem gleichartigen Stein des Gegners beobachtet, wird er gelähmt und verliert während der Beobachtung jede Zugmöglichkeit und Wirkung außer seinerseits gegnerische gleichartige Steine zu lähmen. Eine Rochade (=Königszug) mit einem gelähmten Turm ist möglich. Ein doppelschrittig ziehender Bauer ist e.p.-schlagbar.“).

Das Stück, das ich heute ausgesucht habe, beschreibt Klaus in dem 2001 erschienenen Buch „Dreiklang“ mit Kompositionen der österreichischen Autoren Johandl, Chlubna und Wenda: „Mein persönlicher Liebling unter allen meinen Retroaufgaben. Der jeweils zweifache e.p.-Entschlag konnte meines Wissens ohne Madrasi-Bedingung noch nicht dargestellt werden.“

Damit ist schon der Inhalt des heutigen Stücks verraten, nicht aber die Lösung.

Klaus Wenda
The Problemist 1986, 1. Preis
S#1 vor 8 Zügen, VRZ Proca, Madrasi (12+4)

 

Weiß und Schwarz nehmen also legale Madrasi-Züge zurück, so dass Weiß vor acht Zügen ein Selbstmatt erzwingen konnte; Schwarz verteidigt sich bei seinen Rücknahmen wenn möglich gegen die Zielerfüllung des Weißen.

Betrachten wir zunächst kurz das Diagramm: sLa1 und wLb2 sind gemäß der Madrasi-Regel gelähmt. Eine Rücknahme etwa Le5-b2 ist nicht möglich: Le5 wäre schon gelähmt gewesen. Allerdings ließe sich etwa Lc1-b2 oder Le5xSb2 Madrasi-konform zurücknehmen.

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Retro der Woche 37/2015

Mitte März hatte ich das heutige Problem im Blog schon vorgestellt — allerdings noch ohne Lösung, da die Aufgabe noch im Lösewettbewerb von Probleemblad stand. Nun ist die Lösung erschienen, und ich möchte euch diese Aufgabe noch einmal ans Herz legen.

In der Anmoderation hatte Spaltenleiter Roberto Osorio von “surely hard to solve, with an extremely hidden maneuver” geschrieben, und das wollen wir uns nun einmal anschauen.

Satoshi Hashimoto
Probleemblad 2015
Beweispartie in 22,0 Zügen(10+14)

 

Seine Kommentar zu diesem Blog-Eintrag letete allerdings Silvio Baier so ein: „Satoshi komponiert relativ wenig, aber immer hochwertig und mit hochinteressanten Ideen. Allzu schwer fand ich es aber nicht zu lösen.“ Wer hat bezüglich der Schwierigkeit Recht, Silvio oder Roberto? Vielleicht versucht ihr es für euch selbst herauszufinden.

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Retro der Woche 36/2015

Heute möchte ich euch eine Alice-Schach Beweispartie aus René J. Millours neuem Buch „Subtleties on 64 Squares“ vorstellen.

Kennt ihr Alice-Schach? Wenn nicht, hier die Definition aus dem immer wieder empfehlenswerten Schwalbe-Lexikon:

„Es wird auf zwei 8×8-Brettern gespielt: Bretter A und B. Nach jedem Zug (wahlweise auf einem der beiden Bretter) wird der gezogene Stein als unmittelbare Zugfolge auf das analoge leere Feld des anderen Brettes versetzt. Ist das zugehörige Feld nicht leer, wäre der entsprechende Zug illegal. Ein Schlagfall ist also nur auf demjenigen Brett möglich, auf dem der Zug auch startete. Geschlagene Steine verschwinden vom Brett. Der König darf durch einen Zug seiner Partei weder vor dem Brettwechsel des Zugsteines noch danach einem Schachgebot auf seinem Brett im herkömmlichen Sinne ausgesetzt sein. In der Partieanfangsstellung stehen alle 32 Steine auf Brett A.“

Es hat sich eingebürgert, die Alice-Stellungen auf nur einem Brett darzustellen und dabei die Klötze, die auf Brett B stehen, auf den Kopf zu stellen: Laut Definition kann ja nie das gleiche Feld auf Brett A und Brett B besetzt sein.

Interessante Möglichkeiten gibt es mit Alice-Schach: Zum Warmwerden versucht doch einmal, einen weißen und einen schwarzen Bauern auf der gleichen Linie schlagfrei aneinander vorbei zu bringen.

René J. Millour
StrateGems 2007, 3. Preis
Beweispartie in 21,0 Zügen, Alice-Schach A(8+11) B(6+3)

 

Auch wenn das im ersten Moment kompliziert ausschaut, so kann man gerade bei Alice-Schach sehr gut Züge zählen: Man sieht sofort, ob ein Stein eine gerade (aufrecht stehend) oder ungerade (auf dem Kopf stehend) Anzahl von Zügen gemacht hat. Übrigens verschwinden bei der Rochade König UND Turm auf Brett B.

Beim Züge-Zählen habe ich mich an René’s Beschreibung im Buch orientiert.

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Retro der Woche 35/2015

Vor einigen Tagen erhielt ich ein Büchlein „My Retro Problems“ von Gligor Denkovski (20.08.1946 — 15.01.2015), das er selbst im Jahre 2013 zusammen gestellt hatte, das nun von seinem Sohn Ivan, mit dem er einige Aufgaben gemeinsam gebaut hatte, publiziert worden ist.

Beinahe alle der dort veröffentlichten 57 Aufgaben sind orthodoxe Beweispartien ab dem Jahr 2001. Überwiegend hat sich Gligor mit kürzeren, pointenreichen Beweispartien beschäftigt; Umwandlungsthemen, Platzwechsel und auch Rückkehren waren neben Bahnungen seine überwiegend bearbeiteten Themen.

Eine vielleicht nicht ganz typische Aufgabe möchte ich hier vorstellen:

Gligor Denkovski
Probleemblad 2006
Beweispartie in 22,0 Zügen (15+15)

 

Auffällig ist natürlich die Homebase bei Schwarz, in der nur ein Springer fehlt, der auf c3 oder c4 (Doppelbauer bei Weiß) geschlagen werden musste. Bei Weiß fehlt nur [Be2], der offensichtlich von einem Springer geschlagen worden ist.

Eben hatten wir gesagt, dass der fehlende schwarze Springer auf c3 oder c4 geschlagen worden sei: Können wir das genauer bestimmen?

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