Retro der Woche 27/2014

Heute möchte ich gern wieder ein wenig in die „Geschichte der Beweispartien“ eintauchen, und das nicht nur zehn Jahre, wie es die Quelle unserer heutigen Aufgabe suggeriert: Nein, wir gehen eigentlich 25 Jahre zurück, denn die ursprüngliche Aufgabe von Uli Ring stammt aus dem Jahre 1989, ist also schon 25 Jahre alt, allerdings damals knapp nebenlösig, da sich zwei schwarze Bauernzüge umstellen ließen. Die vorliegende Aufgabe ist also eine Korrektur von damals.

Ulrich Ring & Joost de Heer
feenschach 2004 (Korrektur)
Beweispartie in 23,5 Zügen (13+15)

 

Beginnen wir mit dem Zählen der schwarzen Züge: Da kommen wir auf 22 (3+2+4+4+0+9); einen schwarzen Zug haben wir also frei.

Wirklich?

Schauen wir uns dazu den Käfig im Nordosten einmal genauer an.

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Retro der Woche 25/2014

Ich hatte ja schon darauf hingewiesen, dass ich im Rahmen des Richtens für das FIDE-Album auch eine Menge Aufgaben gesehen habe, die ich noch nicht kannte, weil sie in mir üblicherweise nicht zugänglichen Quellen erschienen waren. Dass das wahrlich nicht bedeuten muss, dass diese Aufgaben vielleicht nicht so gut sind, zeigt sich bei dem heutigen Beispiel schon an den Namen der Autoren.

[php]tb_dia(„rnb2bk1/ppp1B3/7n/1P4Pr/2P4p/P2P1K2/p1B5/RN3QNR“, „Nicolas Dupont, Jorge Lois & Roberto Osorio (Mario Richter gewidmet)“, „Best Problems 2012, Beweispartie in 28 Zügen (13+12)“); [/php]

 

Die offene Stellung macht es einem sehr schwer, Ansätze für die Lösung zu finden – bis man den sBa2 entdeckt: Das muss wegen der drei fehlenden weißen Steine der [sBd7] sein, der auf seinem Weg nach a2 alle fehlenden weißen Steine geschlagen haben muss.

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Retro der Woche 06/2014

Besonders gründliche und treue Leser dieses Blogs werden, wenn sie sich mit dem heutigen Retro der Woche beschäftigt haben, vielleicht sagen: „Dieses Thema hatten wir hier doch schon einmal?“

Darauf komme ich zum Schluss noch einmal zurück; nun aber sollten wir zunächst einen Blick auf die heutige Aufgabe werfen, die nun schon beinahe (sie wurde im April veröffentlicht) 15 Jahre alt ist, aber mich immer noch mit ihrer Eleganz und Prägnanz begeistert.

Michel Caillaud
Problemesis 1999, 1. Preis
Beweispartie in 17 Zügen (13+13)

 
Betrachtet man die sehr offene Diagrammstellung, so sieht man zunächst nur fünf weiße (1xL, 2xS, 2xB) und drei schwarze (3xB) Züge – das hilft zunächst noch nicht viel weiter.

Hilfreich ist allerdings dann die Betrachtung, was denn auf dem Brett fehlt, welche Steine also geschlagen worden sein müssen.

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Retro der Woche 51/2013

Am Freitag hatte ich auf den neuen Lesestoff besonders bei Schwalbe und feenschach hingewiesen – und natürlich gibt es in den Heften ebenso wie im Probleemblad auch wieder interessante Lösungsbesprechungen.

Aus einer in feenschach, nämlich aus Heft 203 für die Urdruckserie in f-196, komme ich heute zurück; ich möchte die einzige Beweispartie aus f-196 hier vorstellen.

Henryk Grudzinski
10611 feenschach Nov.-Dez. 2012
Beweispartie in 17 Zügen (14+13)
Wenn wir wie üblich erst einmal die offensichtlichen Züge zählen, kommen wir nicht allzu weit: nur drei bei Weiß, und auch bei Schwarz sehen wir nur neun (0+0+3+1+3+2), also ist offensichtlich nicht viel festgelegt?

Aber irgendwie müssen doch die Züge determiniert sein – und da hilft es einfach, auch nach den fehlenden Steinen sowie den Schlagfällen zu schauen. Und dann wird es schon deutlich einfacher mit dem Lösen.

Beginnen wir mit Schwarz: Dort fehlen nur drei Bauern. Dabei kann der Doppelbauer auf der c-Linie entweder durch [sBd7] oder [sBb7] entstanden sein. Im ersten Fall müsste Schwarz auf d3 eine Figur geopfert haben, die dann durch die Umwandlung des [sBe7] ersetzt worden wäre – diese Reihenfolge ist erforderlich, da sonst der e-Bauer nicht hätte zur Umwandlung gelangen können. In dem Falle haben wir also „mindestens“ das Phoenix-Thema bei Schwarz und können das Ceriani-Frolkin-Thema schon von vorn herein ausschließen.

In diesem Fall müsste Weiß die beiden [sBa7] und [sBb7] geschlagen haben. Da auch hier nur Bauern fehlen, müssen die beiden sich umgewandelt haben, da die Doppelbauern bei Schwarz ja nicht durch Schläge von Bauern hätten entstehen können. Wenn wir das annehmen, so hätten wir vier Züge Zeit, die beiden schwarzen Doppelbauern entstehen zu lassen.

Aber wir haben ja auch noch eine andere Möglichkeit, nämlich dass [sBd7] auf d3 geschlagen worden ist, der Doppelbauer c7/c6 durch b7xc6 entstanden ist.

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Retro der Woche 46/2013

Im neuen Oktober-Heft der Schwalbe (ja, in der Zwischenzeit ist das Heft auch bei mir angekommen…) ist der sehr ausführliche Retro-Preisbericht 2010 erschienen: Der Preisrichter Thierry Le Gleuher hat gleich 31 Aufgaben ausgezeichnet – wenn das keine tolle Lektüre ist, dann weiß ich es nicht!

Allerdings will ich heute keine Aufgabe hieraus vorstellen, sondern ein Stück des Preisrichters, das mir immer wieder gefällt, das vor beinahe 20 Jahren sicherlich eine ziemliche Begeisterung hervorgerufen haben muss.

Thierry Le Gleuher
Phénix 1994, 2. Preis
Beweispartie in 19 Zügen (16+14)

Betrachten wir die Stellung, fällt sofort auf, dass bei Schwarz nur zwei sichtbare Züge vorhanden sind, dass andererseits die beiden Bauern [sBa7] und [sBg6] fehlen, die wegen der weißen Doppelbauern auf b und h nicht auf ihren Linien geschlagen worden sein können.

Damit wissen wir schon, dass mindestens eine Umwandlungsfigur noch auf dem Brett steht: Zunächst nämlich musste sich in schwarzer Offizier opfern, bevor einer der beiden fehlenden Bauern umwandeln konnte.

Das sollten wir im Kopf behalten, auch wenn wir nun zuerst einmal die weißen Züge zählen:

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Retro der Woche 39/2013

Der heutige Wochenbeitrag ist verbunden mit ganz herzlichen Glückwünschen nach Roßdorf bei Darmstadt, wo just an diesem Sonntag Uli Ring einen sehr runden Geburtstag feiert: Die besten Wünsche für das neue Lebensjahr(zehnt) dazu von mir, denen sich sicher die Leser des Blogs anschließen werden!

Uli ist nicht nur ein „Retromensch“, sondern im gesamten Bereich des Problemschachs sehr bewandert: In sehr jungen Jahren war er Sachbearbeiter der Schwalbe für Zweizüger, als Komponist trat er besonders (unter dem Einfluss des legendären John Niemann) bei den Hilfsmatts hervor und hat schon sehr gute Beweispartien gebaut, als dieses Genre erst gerade begann aufzublühen.

Ich selbst kenne Uli schon seit meinem ersten Andernach-Treffen, und es war und ist immer eine Freude, sich mit ihm nicht nur schachlich auszutauschen: Sein trockener, stets hintergründiger Humor bereichert jede Diskussion über Schach und Kultur, über Politik und Fußball, über Gott und die Welt, und die gemeinsamen nachmittaglichen Eisdielen-Besuche zusammen mit Hans Gruber gehören für mich in Andernach nicht nur zur Tradition, sondern auch zu den Höhepunkten der jährlichen Treffen dort.

Das Stück, das ich heute ausgesucht habe, zeigte schon vor 27 Jahren sehr moderne Beweispartien-Thematik, und ich kann mich noch erinnern, dass das Lösen und Prüfen dieser Aufgabe meine Begeisterung für die damals noch recht neue Mode der eindeutigen kürzesten Beweispartien weiter gesteigert hat.

 

Ulrich Ring
feenschach 1986
Beweispartie in 24,5 Zügen (14+16)

 

Eine Homebase-Stellung, wo sich also sämtliche noch vorhandenen Steine in ihrer Partieanfangsstellung befinden, über auch heute noch einen hohen ästhetischen Reiz aus; bei Beweispartien sicherlich, weil sie optimal das Spiel dieser Farbe verschleiern.
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Retro der Woche 35/2013

Nicht so ganz einfach zu lösen erscheint mir die heutige Beweispartie. Warum? Weil sie sehr gut offensichtliche Löse-Hinweise zu verbergen mag. Und so ganz kurz ist sie auch nicht, was vielleicht subjektiv die Hemmschwelle noch einmal erhöht.

Aber einen gründlichen Blick verdient diese Aufgabe des finnischen Komponisten Unto Heinonen, der sich nicht nur auf Retros beschränkt, sondern auch ein bekannter und erfolgreicher Märchenschach- und Hilfsmattkomponist ist.

Unto Heinonen
P0341 StrateGems 2012
Beweispartie in 28 Zügen (13+14)

 

Zählen wir die offensichtlichen Schlagfälle, nämlich solche, die eindeutig und sichtbar von Bauern durchgeführt worden sind, kommen wir auf zwei schwarze (dxe und gxh) und einen weißen (dxe3). Bei beiden Seiten bleibt also noch ein Schlag offen.

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Retro der Woche 30/2013

In dieser Woche sind die Ergebnisse der Kompositions-Einzelweltmeisterschaft 2010-2012 veröffentlicht worden; auf die Retro-Ergebnisse hatte ich ja schon hingewiesen.

Im Retro der Woche 20/2013 hatte ich bereits eine Aufgabe, die mir zum Richten vorgelegen hatten, hier vorgestellt – und damit hatte ich offensichtlich einen guten Griff getan, denn dieses Stück stellte sich zum Schluss als das am höchsten bewertete Retro in diesem Wettbewerb (11,5 von 12 möglichen Punkten) heraus!

Vom Drittplatzierten Nicolas Dupont möchte ich heute ein weiteres Stück vorstellen, das (mal wieder) hochmodern „Proof Games of the Future“ thematisiert und hier eine eindrucksvolle Probe  von der exzellenten Technik gibt, die man heute bei Weltklasse-Beweispartien erwarten kann.

Nicolas Dupont
FIDE World Cup 2011, 3. Preis
Beweispartie in 28,5 Zügen (14+13)

Die beiden fehlenden weißen Steine wurden auf der c- und der b- oder d-Linie geschlagen; da es sich um zwei Bauern, nämlich die von e2 und g2 handelt, konnten diese wegen der weißen Bauernstruktur dort nicht direkt geschlagen werden, mussten sich also umwandeln.

Auch die fehlenden schwarzen Steine (3 Bauern) lassen sich bereits erklären: Der f-Bauer konnte seine Linie nie verlassen und wurde deshalb auf f geschlagen; der schwarze g-Bauer hat sich schlagfrei umgewandelt – und damit ist klar, dass der Schlag des schwarzen f-Bauern durch den weißen g-Bauern erfolgt sein muss.

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