Marco Bonavoglia 14.5.1953 — 5.12.2022

Eine ganz traurige Nachricht fand ich eben in Facebook: Marco Bonavoglia ist heute Morgen in seiner Heimatstadt Mailand verstorben.

Gern erinnere ich mich an seine früher regelmäßigen Besuche in Andernach: Ein sehr angenehmer Gesprächspartner weit über das Problemschach hinaus; an seiner sonoren Stimme konnte man ihn sofort erkennen.

(Nicht nur Problem-)Schachlich vielseitig interessiert galt seine Liebe stark den Retros, wo er besonders gern und erfolgreich Märchen-Beweispartien komponierte — natürlich ein ideales Beschäftigungsfeld gerade für Andernach. Ein wie ich finde sehr hübsches Beispiel mit doppelter Homebase möchte ich euch zu seinem Gedenken zeigen, euch einladen, selbst zu lösen: Schwer ist es nicht!

Marco Bonavoglia
eteroscacco 1996
Beweispartie in 6,5 Zügen, Monochromes Schach (15+12)

 

Das wurde übrigens zwölf Jahre später steingetreu in Mat Plus nachempfunden.

Natürlich gibt es die Lösung hier wieder in etwa einer Woche.

Lösung


Sehr zugökonomischer Pronkin!

Retro der Woche 22/2022

Heute geht das Treffen der Märchenschachfreunde in Andernach schon wieder zu Ende. Da möchte ich euch wie schon in der letzten Woche wieder eine Märchenschach-Beweispartie zeigen – und irgendwie komme ich natürlich an der Bedingung Andernachschach nicht vorbei, die, wen wundert es, bei einem dieser Treffen vorgestellt und sofort kompositorisch ausprobiert wurde.

Die Bedingung ist sehr einfach erklärt: „Nichtkönigliche Steine wechseln, wenn sie einen gegnerischen Stein schlagen, als Teil des Zuges die Farbe.“ – so ist sie im Schwalbe-Lexikon definiert.

Auch der Autor dieser Aufgabe war in diesem Jahr wieder in Andernach!

Dirk Borst
feenschach 1997, Preis
Beweispartie in 21 Zügen, Andernachschach (16+12)

 

Zunächst einmal bemerken wir: Orthodox kann die Stellung nicht in 21 Zügen, nicht in einer ungeraden Zahl von Zügen erspielt werden, da Weiß eine gerade Zahl von Zügen spielen müsste, um die Partieanfangsstellung wiederherstellen zu können.

Wir sehen, dass bei Schwarz vier Bauern fehlen – also schlug wegen der Märchenbedingung Schwarz (!) vier Mal mit Bauern. Da ist aber erst einmal nichts sichtbar!

Wenn uns sonst nichts einfällt, wenn etwa die Schlagbilanz anhand der Bauernstruktur keine Hinweise gibt, dann zählen wir einfach die schwarzen sichtbaren Züge. Da sehen wir 3+2+3+2+3+1=14 – damit sind noch sieben Züge frei! Das ist sehr viel, aber vielleicht hilft uns das doch weiter? Dazu stellen wir uns die Frage, wie denn die weiße Bauernphalanx wieder geschlossen werden konnte, wenn doch gleich vier Bauern durch Schlagen weiß wurden – und was haben sie geschlagen?

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Retro der Woche 02/2022

Als Preisrichter für die Retro-Urdrucke der Schwalbe im Jahr 2022 konnte ich Richard Dunn, meinen Sachbearbeiter-Kollegen von The Problemist, gewinnen. Aus seiner Rubrik, konkret vom Januar 2021, habe ich für heute eine Beweispartie eines Autors ausgesucht, an dessen Werken ich immer Freude habe.

Rustam Ubaidullajew
The Problemist 2021
Beweispartie in 15,5 Zügen (14+12)

 

Rustam ist kein wahnsinnig produktiver Komponist: Die PDB enthält 77 Aufgaben von ihm – und davon sind 74 Beweispartien! Ohne sich auf spezielle Modethemen zu konzentrieren sind seine Aufgaben stets originell und attraktiv zu lösen. Ich glaube, das gilt auch für das heutige Beispiel. Und so ist es nicht überraschend, dass ich in dieser Rubrik bereits mehrere seiner Aufgaben vorgestellt habe. Wenn ihr Lust und Zeit habt, nutzt einfach die Suchfunktion, um die Aufgaben zu finden, zu lösen oder durchzuspielen!

Das heutige Beispiel ist relativ kurz, sodass ich nur wenige Hinweis zur Lösung geben möchte. Bei Weiß fällt natürlich sofort die Homebase auf; da gibt es also keine Züge zu zählen. Die schwarzen zu zählen ist schon deutlich interessanter:

4+1+1+3+0+4=13 – zwei Züge sind also frei? Nein, nicht wirklich, denn woher sTd8 auch kommen mag, dem muss einer der beiden Springer Platz gemacht haben: der muss also einschließlich seiner Rückkehr zwei Mal gezogen haben, und damit sind alle schwarzen Züge erklärt.

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Retro der Woche 44/2021

Vor gut einer Woche hatte ich auf den (vorläufigen) Preisbericht des diesjährigen Champagne-Turniers, das Michel Caillaud schon seit vielen Jahren in Zusammenhang mit dem WCCC ausrichtet, berichtet. Nun möchte ich euch heute die siegreiche Beweispartie vorstellen.

Silvio Baier
Champagne-Turnier 2021, 1. Preis Gruppe A
Beweispartie in 28 Zügen (11+15)

 

Ihr erinnert euch vielleicht noch an das vorgegebene Thema? Derselbe Stein schlägt mindestens zwei Umwandlungsfiguren.

Betrachten wir zunächst die Schlagbilanz: Bei Weiß fehlen fünf Bauern, von denen nur [Bb2] direkt geschlagen werden konnte; alle vier anderen fehlenden Bauern mussten sich umwandeln, um sich schlagen zu lassen oder einen geschlagenen Originalstein zu ersetzen; damit sind alle fehlenden weißen Steine erklärt. Geschlagen wurden sie entweder mit exdxcxb und fxe oder (beim geforderten Thema noch attraktiver) mit fxexdxcxb.

Damit ist zugleich der einzige weiße Schlagfall klar: Auch [Bh2] musste sich umwandeln, dazu musste er hxBg spielen, denn sBh4 hat ja keine Schlagmöglichkeit mehr.

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Retro der Woche 18/2021

Heute möchte ich die kleine Serie recht kurzer Beweispartien von Reto Aschwanden (siehe RdW 14/2021 und RdW 16/2021) fortsetzen mit einem Stück, das 2005 von Hans Gruber als Richter den ersten Preis im Jahresturnier von StrateGems erhielt — er konnte also seinen „Titel aus dem Vorjahr“ verteidigen.

Reto Aschwanden
StrateGems 2005, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (14+14)

 

Weiß muss offensichtlich in seinen 18 Zügen nichts tun außer [Bb2] und [Bh2] loszuwerden – ansonsten ist zumindest sichtbar nichts passiert. Bevor wir allerdings die schwarzen Züge zählen, überlegen wir uns, wie die Türme am zugsparsamsten ihre Diagrammfelder erreicht haben können?

Unabhängig von deren Wegen sehen wir, dass [Sg8] gezogen haben muss, um [Th8] heraus zu lassen: Der Springer hat also mindestens zwei Züge gemacht. Die Türme sind am sparsamsten mittels langer Rochade und dann beide via g8 und g5, wobei der „erste“ weiter nach e5 zieht, zu platzieren.

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Sparsamer geht es nicht

Kürzer als in der heutigen Zwischendurch-Beweispartie lässt sich das Thema nicht darstellen. Und wenn die Doppel-Homebase nicht zum Lösen einlädt, dann weiß ich es auch nicht…

Yaakov Mintz
feenschach 2010
Beweispartie in 7 Zügen (13+13)

 

Viel Spaß damit — und in einer Woche kommt hier wieder die Lösung!

 

Lösung

Durch Pronkin-Läufer geschlagener Donati-Springer. Kürzer lässt sich das nicht darstellen, und sicher auch nicht eleganter!

Frohe Weihnachten 2020

Frohe Weihnachten
Schöni Wienacht
Merry Christmas
Zalig Kerstfeest
Feliz Navidad
Buon Natale
Joyeux Noël
З Рiздвом Христовым
С Рождеством
Христос се роди
メリークリスマス
圣诞节快乐
Glædelig Jul
Hyvää Joulua
God Jul

Euch allen wünsche ich ein frohes, ein schönes, ein ruhiges, ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest 2020!

Vielleicht habt ihr ja jetzt an den Feiertagen Zeit, Lust und Muße, zwischendurch eine hübsche kleine Beweispartie zu lösen?

Silvio Baier
Die Schwalbe 2011
Beweispartie in 9 Zügen (11+11)

 

Viel Spaß dabei, und lasst euch dabei das Weihnachtsgebäck schmecken! Die Auflösung gibt es wie immer in etwa einer Woche hier!

… Und hier ist sie:

Lösung

Fast symmetrisch wie ein Weihnachtsbaum und viel Inhalt fürs Geld: Prentos-Thema(Ll) und Rückkehr (Kk).

Doppel-Homebase

Beweispartien mit doppelter Homebase, wo also alle verbliebenen Steine auf den passenden Feldern der Partieausgangsstellung stehen, finde ich besonders einladend zum Lösen. Vielleicht geht es euch ja ähnlich?

Dann habe ich heute mal wieder „für zwischendurch“ etwas für euch! Sicher nicht allzu schwer, aber, wie ich finde, mit „viel Inhalt fürs Geld“ –- welche Themen habt ihr erkannt?

Jaques Rotenberg
Themes 64 1983
Beweispartie in 9 Zügen (12+13)

 

Wie immer findet ihr die Lösung in etwa einer Woche hier.

 

Lösung

Klar, zweimal Homebase, Pronkin-Läufer, der den rückgekehrten Umwandlungsspringer in Prentos-Manier schlägt. A forteriori haben wir natürlich auch noch das Phönix- und das Ceriani-Frolkin-Thema; Excelsiores sind bei Umwandlungen in Beweispartien natürlich stets automatisch zu finden.

Vielleicht regt euch das ja an, mal wieder einen kleinen Blick ins Retro-Lexikon zu werfen?