Retro der Woche 42/2013

Interessant finde ich Aufgaben, bei denen die Forderung mit der Ergänzung von Material zu tun hat. Ziemlich populär sind Illegal Clusters, die ich im Retro der Woche 48/2012 bereits vorgestellt habe: Dort geht es um das Einfügen von Material zu einer illegalen Stellung, die durch Entfernen eines jeden Steins (außer den Königen) legal wird.

Sehr attraktiv sind auch Aufgaben mit der einfachen Forderung „Füge ein“ – hierbei muss dann eine legale Stellung erreicht werden. Unterscheiden kann man hierbei durch die Angabe von Anzahl, Steinen, Farbe oder Feldern: Je weniger Angaben erforderlich sind, umso interessanter sind meist die Aufgaben.

Ein relativ einfach zu lösendes, aber wie ich finde sehr hübsches Beispiel für diese Aufgabenart möchte ich heute vorstellen:

Werner Keym
Economy Records in ‘Add Unit(s)’ Problems 21.8.2011
Ergänze einen Stein (11+1)

 

Weder Stein noch Farbe noch Einsetzungsfeld ist angegeben, also sollten wir zunächst einmal die Stellung genauer betrachten, um vielleicht ein paar Hinweis daraus abzuleiten, wie wir die Einsetzungsmöglichkeiten einschränken können.

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Retro der Woche 41/2013

Retro der Woche 41/2013

Im kommenden Jahr wird Kostas Prentos die Original-Retroaufgaben in der Schwalbe richten. Der Retro-Sachbearbeiter von StrateGems ist ein kompetenter und auch erfreulich schneller Richter, davon konnte man sich im Juli-Heft des Problemist überzeugen; dort erschien sein Preisbericht zu den dortigen Retros der Jahre 2011 und 2012.

Aus diesem Preisbericht möchte ich heute den zweiten Preis vorstellen:

Rustam Ubaidullajew
The Problemist 2012, 2. Preis 2011-2012
Beweispartie in 23,5 Zügen (16+16)

Kein einziger Schlag hat stattgefunden, und Weiß brauchte „eigentlich“ nur drei Züge, um seine Steine gemäß Diagramm zu positionieren, hat also eine Reserve von 21 Zügen!

Deutlich enger schaut es bei Schwarz aus; hier betrachten wir die erforderlichen schwarzen Züge genauer:

Offensichtlich reichen vier Bauern- und ein Damenzug für diese Steinarten, fünf Läuferzüge sind erforderlich. Diese zehn Züge sind dann auch determiniert.

Etwas komplizierter ist es bei den anderen Steinarten:

sTb7 ist über b8 gekommen, daher muss Sb8 Platz gemacht haben und zurückgekehrt sein; dies macht für beide Springer zusammen vier Züge erforderlich. STb7 benötigt zwei, sTh4 vier Züge, um auf ihre Zielfelder zu kommen.

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Vorträge beim Schwalbe-Treffen

Bereits am gestrigen Donnerstag, dem ersten Tag des diesjährigen Schwalbe-Treffens in Sindelfingen, gab es schon interessanten Vorträge: Hartmut Laue (Selbstmatt-Schachbearbeiter der Schwalbe), stellte einige Selbstmatts aus dem gerade beendeten 9. WCCT vor und diskutierte dabei einige Fragen zur Ästhetik und Konstruktion von Selbstmatts; anschließend präsentierte Hubert Gockel, #2-Sachbearbeiter der Schwalbe und Organisator der Tagung, Zweizüger mit der Bedingung „Elliuortap“, bei der Steine nur dann Schlag- und damit (Schach-) Kraft haben, wenn sie nicht von einem Stein gleicher Farbe beobachtet werden.

In den Vorträgen des heutigen Freitags berichtete Dieter Kutzborski von neuen Ideen aus dem Umfeld der römischen Idee, und bernd ellinghoven stellte Beispielaufgaben für ein neues Thematurnier von Die Schwalbe und feenschach vor.

Ich selbst habe einige Aufgaben mit der elsässischen Bedingung vorgestellt, darunter auch eine von Hubert Gockel, die ich hier zeigen möchte:

Hubert Gockel
Die Schwalbe 1982
H# in 2 Zügen, Elsässisches Circe (7+10), Zeroposition: a) sLh5 nach f1; b) wSd6

 

In einer Zeroposition muss die Diagrammstellung nicht gelöst werden; zunächst müssen also die Stellungsänderungen vorgenommen werden.

In beiden Phasen kann eigentlich die schwarze Dame den Matt setzenden weißen Stein schlagen, und das sogar mit Schachgebot gegen den weißen König. Dies aber ist gerade das Dilemma: Dieses Schachgebot könnte schwarz orthodox nicht zurücknehmen, so dass dieser Schlagzug gemäß der elsässischen Bedingung nicht zulässig ist.

a) 1.Dd1 Dxd3 2.Sf5 Df3#

b) 1.Df1 Sf5 2.Sd1 f3#.

Einige weitere Aufgaben werde ich in einem kleinen Artikel für Die Schwalbe vorstellen.

(Update vom 5. Oktober 2013)

Retro der Woche 40/2013

Thomas Volet gehört schon lange zu meinen Lieblingsautoren klassischer Retros, er beschäftigt sich in immer neuen Facetten besonders intensiv und erfolgreich mit dem Thema „Schachschutz“.

Wenn ein solch profilierter Komponist über eine seine Aufgaben schreibt „One of the few compositions of mine that I would call elegant, and clearly among my best.“, dann lohnt es sicherlich, sich dieses Stück einmal genau anzuschauen.

Thomas Volet
Phénix 2011 (M. Palewitsch & S. Wolobujew gewidmet)
Löse die Stellung auf! (13+14)

 

Beginnen wir wie üblich mit der Inventur der Stellung: Bei Weiß sieht man zwei Bauernschläge (axb und hxg), damit sind die fehlenden schwarzen Steine erklärt. Ebenso schaut es anders herum aus: axb, dxc und e3xf2 erklären vollständig die drei fehlenden weißen Steine.

Die fehlenden Bauern [wBe2] und [sBh7] konnten allerdings nicht direkt geschlagen werden; beide müssen sich also schlagfrei umgewandelt haben.

Um den Retroknoten im Westen und Südwesten endgültig auflösen zu können, muss e3xXf2 f2-f3 Sf3-e1 zurückgenommen werden; dann löst sich alles leicht weiter auf.

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WCCC: Champagne-Turnier

Beim WCCC Treffen in Batumi, das heute zu Ende gegangen ist, gab es wie immer mehrere Kompositionsturniere, darunter auch das bereits traditionelle Champagne-Turnier für Retros, das wieder von Michel Caillaud ausgerichtet worden ist.

Michel hat heute bereits in der Retro Mailing List die Ergebnisse veröffentlicht; ich möchte sie hier wiederholen, da die Aufgaben dort nur in Notation angegeben waren.

Thema war Schlag einer Figur nach ihrer Rückkehr (Rundlauf); es waren nur Aufgaben von Kongressteilnehmern zugelassen. Das Turnier war in zwei Gruppen (Gruppe A: Beweispartien, Gruppe B: andere Retros) unterteilt.

In Gruppe A beteiligten sich sieben Autoren mit neun Aufgaben, von denen nur fünf korrekt blieben.

Igor Wereschagin (Version Rustam Ubaidullajew)
Champagne-Turnier Gruppe A, Preis
Beweispartie in 16 Zügen (14+13) C+

1.e3 b6 2.Dh5 La6 3.g4 Dc8 4.Lh3 Lf1 5.Se2 Db7 6.Tg1 Dh1 7.Tg2 Kd8 8.Sg1 La6 9.d3 Kc8 10.Ld2 Kb7 11.La5 bxa5 12.Sd2 a4 13.Tb1 a3 14.bxa3+ Kc6 15.Txb8 Lc8 16.Txc8 Dxg1+.

Zwei Themafiguren (sLc8, wSg1), die schlagfrei zurückkehren.

Gligor Denkovski & Ivan Denkovski
Champagne-Turnier Gruppe A, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 10 Zügen (14+13) C+

1.d4 e5 2.Kd2 Dg5+ 3.Kc3 Dxc1 4.d5 Dg5 5.d6 Dd8 6.Dd5 Se7 7.dxe7 e4 8.exd8=T+ Ke7 9.Txc8 e3 10.Td8 Kxd8.

Auch hier zwei Themafiguren, die beide aufs gleiche Feld zurückkehren; der Turm ist gleichzeitig ein „Donati-Stein“ (umgewandelte Figur kehrt auf ihr Umwandlungsfeld zurück).

Gligor Denkovski & Ivan Denkovski
Champagne-Turnier Gruppe A, 2. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 10 Zügen (10+13) C+

1.Sc3 b5 2.Sd5 b4 3.Sxe7 b3 4.Sd5 bxa2 5.Sc3 d5 6.Sb1 axb1=S 7.Txa7 Sxd2 8.Ta1 Sxf1 9.Ld2 Sxd2 10.Kxd2 Txa1.

Ähnlich der vorherigen Aufgabe, aber die Ceriani-Frolkin-Figur wird nicht auf ihrem Umwandlungsfeld geschlagen.

Jonathan Mestel, Allan Bell & Ian Watson
Champagne-Turnier Gruppe A, Lob
Beweispartie in 7 Zügen (13+13) C+

1.a4 d5 2.a5 Lh3 3.a6 Lxg2 4.axb7 Lxf1 5.Txa7 Lh3 6.Ta1 Lc8 7.bxc8=T Txa1.

Hübsch mit Phönix-Turm.

 

 

In Gruppe B beteiligten sich drei Autoren mit drei Aufgaben, die jedoch stets die gleiche Idee zeigten; eine erwies sich als defekt.

Oleg Perwakow, Waleri Gurow &amp Igor Wereschagin
Champagne-Turnier Gruppe B, Sieger
Gewinn (5+12)

1.Lg7 exd6 2.Txf8+ (2.Lxf8? Dg5!) Ke7 3.Txd8 Kxd8 4.Lf6+ (4.Kb8? f5!) Ke8 5.Kb8 (5.Lxe4? d5!) a5 6.Kxc8.

Die acht schwarzen Bauern beweisen, dass Schwarz nicht umgewandelt hat. Der weiße König ist über g7 auf die achte Reihe gelangt, und die schwarzen Figuren müssen gezogen haben, um ihn nach a8 gelangen zu lassen. Daher haben die drei in der Lösung geschlagenen Figuren eine Rückkehr vollführt.

(Die Lösungskommentare habe ich im Wesentlichen von Michel übernommen und ins Deutsche übertragen.)

Retro der Woche 39/2013

Der heutige Wochenbeitrag ist verbunden mit ganz herzlichen Glückwünschen nach Roßdorf bei Darmstadt, wo just an diesem Sonntag Uli Ring einen sehr runden Geburtstag feiert: Die besten Wünsche für das neue Lebensjahr(zehnt) dazu von mir, denen sich sicher die Leser des Blogs anschließen werden!

Uli ist nicht nur ein „Retromensch“, sondern im gesamten Bereich des Problemschachs sehr bewandert: In sehr jungen Jahren war er Sachbearbeiter der Schwalbe für Zweizüger, als Komponist trat er besonders (unter dem Einfluss des legendären John Niemann) bei den Hilfsmatts hervor und hat schon sehr gute Beweispartien gebaut, als dieses Genre erst gerade begann aufzublühen.

Ich selbst kenne Uli schon seit meinem ersten Andernach-Treffen, und es war und ist immer eine Freude, sich mit ihm nicht nur schachlich auszutauschen: Sein trockener, stets hintergründiger Humor bereichert jede Diskussion über Schach und Kultur, über Politik und Fußball, über Gott und die Welt, und die gemeinsamen nachmittaglichen Eisdielen-Besuche zusammen mit Hans Gruber gehören für mich in Andernach nicht nur zur Tradition, sondern auch zu den Höhepunkten der jährlichen Treffen dort.

Das Stück, das ich heute ausgesucht habe, zeigte schon vor 27 Jahren sehr moderne Beweispartien-Thematik, und ich kann mich noch erinnern, dass das Lösen und Prüfen dieser Aufgabe meine Begeisterung für die damals noch recht neue Mode der eindeutigen kürzesten Beweispartien weiter gesteigert hat.

 

Ulrich Ring
feenschach 1986
Beweispartie in 24,5 Zügen (14+16)

 

Eine Homebase-Stellung, wo sich also sämtliche noch vorhandenen Steine in ihrer Partieanfangsstellung befinden, über auch heute noch einen hohen ästhetischen Reiz aus; bei Beweispartien sicherlich, weil sie optimal das Spiel dieser Farbe verschleiern.
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Retro der Woche 38/2013

Schon lange, bevor ich die Schwalbe-Sachbearbeitung für Retros übernommen hatte, habe ich dort immer wieder intensiv hingeschaut – besonders intensiv im Jahr 2002, da ich dort die Urdrucke richten durfte.

Eine der Aufgaben möchte ich euch heute vorstellen; sie hat für mich nicht unerwartet den Sprung ins FIDE-Album geschafft, und ich finde sie auch heute noch faszinierend.

Rustam Ubaidullajev
11587 Die Schwalbe 2002, 2. Preis
Beweispartie in 23 Zügen (14+16)

 

Dass die schwarzen Läufer so auffällig auf dem Brett stehen, ist kein Zufall: sie bilden die Hauptfiguren dieser Beweispartie.

Die beiden [wLc1] und [sLf8] kommen, so sollte man meinen, leicht aneinander vorbei: sLf8-g7-a1, dann wLc1-b2-g7-f8, und ähnlich kann sich auch die weiße Dame auf ihr Zielfeld schleichen. Aber ihr vermutet es sicherlich schon: Soo leicht ist die Sache nun auch nicht!

Und auch der [sLc8] scheint ja sehr einfach nach h1 gekommen zu sein: Irgendwann ist er auf die lange Diagonale marschiert, nachdem der weiße König g2 und f3 bereits wieder verlassen hatte?! Aber soo leicht ist auch diese Sache nicht!
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Retros beim WCCT?

Am Sonnabend kommender Woche (21. September) beginnt in Batumi, Georgien der 56. Weltkongress für Schachkomposition, und dort gibt es neben der Löseweltmeisterschaft und vielen Kompositionsturnieren natürlich auch die eigentlichen Kongress-Sitzungen, auf denen offizielle Anträge verhandelt werden, die auch für uns Retrofreunde interessant sind.

Neben dem bereits hier erwähnten Antrag der Schwalbe gibt es auch einen Antrag aus Frankreich, der fordert, beim nächsten WCCT, der „Länderweltmeisterachaft im Komponieren“, auch Retros zu berücksichtigen; dies ist bisher die einzige Problemschach-Disziplin, die (noch) außen vor bleiben muss.

Die Begründung erscheint mir einleuchtend: Analogie zu den FIDE-Alben und zum WCCI (der Kompositions-Einzelweltmeisterschaft) und immer weiter wachsende Internationaliät der Retrofreunde.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Antrag akzeptiert würde!