Retro der Woche 48/2014

Das war gestern wahrlich kurios: Das heutige Retro der Woche hatte ich schon herausgesucht, als ich das Rätsel der Woche in Spiegel Online fand. Dieses Mal geht es um Schach – um einen Weg des sTa8 nach h1.

Ihr kennt das Rätsel? Wenn nicht, schaut es euch an!

Lustigerweise geht es auch bei unserer heutigen Aufgabe um einen auffälligen schwarzen Turm auf h1. Der, so ist zu vermuten, von a8 kommt.

Michel Caillaud & Noam Livnat
StrateGems 1998, 3. Preis
Beweispartie in 21,5 Zügen (16+15)

 

Zunächst sehen wir sehr schnell, dass wir uns heute nicht mit Umwandlungen beschäftigen: Es fehlt genau [sBd7]; der aber kann nicht umgewandelt haben, da alle weißen Steine noch auf dem Brett sind und er schlagfrei nicht auf die erste Reihe kommen konnte.

Nun zählen wir einmal die weißen Züge. Das ist bis auf eine Steinart sehr einfach.

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Retro der Woche 47/2014

Vor wenigen Tagen jährte sich zum dritten Male der Todestag des Moskauer Retro-Spezialisten Andrej Kornilow (*4.5.1944 †14.11.2011). Ihm zum Gedenken habe ich heute eine Aufgabe von ihm herausgesucht.

Schaut euch auch noch einmal den großartigen Nachruf von Andrej Frolkin und Nikolai Beluchow auf ihn in feenschach 190, XII 2011, S. 229 bis 234 an. Und wenn ihr gerade dabei seid, dann holt auch sofort noch einmal das „Retro-Heft“ feenschach 192, III-IV 2012 hervor, das inhaltlich hauptsächlich von Andrej Kornilow und Andrej Frolkin bestritten worden war: Herrliche Lektüre für lange Herbstabende!

Andrej Kornilow
Redkie schanri plus 1997, Lob
Färbe die Steine. Letzte zwei Einzelzüge? (30+0)

 

Vor dem Finden der beiden letzten Züge gilt es also zunächst einmal, die genaue Stellung zu finden, das heißt herauszufinden, welche Steine Weiß und welche Schwarz sind. Doch bevor nun der Optimist dem Diagramm mit einem schwarzen Kugelschreiber zu Leibe rückt (der Pessimist nimmt sicher einen Bleistift) und mit dem Ausmalen beginnt, sollten wir zunächst einige retroanalystische Überlegungen bezüglich der Schlagfälle anstellen – und dann werdet ihr relativ schnell sehen, dass die Aufgabe gar nicht so schwer zu lösen ist!

Betrachten wir zunächst einmal die Stellung der Könige und der Steine, die sie beobachten, und mögliche Schlagfälle. Damit haben wir dann schon einen Großteil der Lösung gefunden.

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Betrügerbauern

Habt ihr heute die zweite Partie um die Schachweltmeisterschaft zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand verfolgt? Nein, den fatalen Fehler zum Schluss meine ich nicht, sondern nur die ersten 12 Züge.

Diskussion der Eröffnungstheorie nun hier im Retroblog? Bewahre!! Aber die Partie zeigt sehr klar ein Motiv, das wir sonst eigentlich nur aus Beweispartien kennen, nämlich Betrügerbauern. Das sind ja Bauern, die im Diagramm auf einer Linie stehen, von der sie nicht kommen, auf der sie aber bei „normaler Retroanalyse“ ohne den Zeitdruck einer Beweispartie stehen könnten.

Genau solche Betrügerbauern hat Vishi Anand nach zwölf Zügen aufs Brett gezaubert:

Carlsen gegen Anand
2. WM-Partie, 9.11.2014
Stellung nach dem 12. Zug (14+14)

 

Und hier die Partie bis dahin: 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 Lc5 5.OO d6 6.Te1 OO 7.Lxc6 bxc6 8.h3 Te8 9.Sbd2 Sd7 10.Sc4 Lb6 11.a4 a5 12.Sxb6 cxb6. Die schwarzen b- und c-Bauern sind die Betrüger.

Retro der Woche 46/2014

Der im Jahre 2010 verstorbene Alexander Kisljak (*27.12.1938, †5.5.2010) war ein bedeutender Komponist überwiegend klassischer Retros, auch wenn er beispielsweise eine Serie 64 kürzester Beweispartien veröffentlicht hatte, in denen der schwarze König jeweils auf einem anderen Feld matt gesetzt wurde. Er hat viele interessante Aufsätze veröffentlicht, wobei er immer wieder in Die Schwalbe und feenschach publizierte.

Beim heutigen Stück ist es offensichtlich, dass Schwarz zuletzt gezogen hat, denn der weiße König steht im Schach.

Alexander Kisljak
Uralski Problemist 2000, 1. Preis
Löse die Stellung auf (11+12)

 

Dieses Schach kann nur durch einen Entschlag aufgehoben werden; der letzte Zug muss also Tb7xXb6+ gewesen sein, welcher Stein dort geschlagen wurde, wissen wir noch nicht. Verwundert reiben wir uns die Augen, dass Weiß nun, unabhängig vom Entschlag auf b6, nur einen einzigen letzten Zug hatte: c7-c8=S.

Nach dieser Rücknahme beginnen wir mit unserer Inventur: Mit dem Schlag auf b6 und dem [Lc1], der zu Hause geschlagen werden musste, fehlen noch drei weiße Steine, die alle durch Bauern geschlagen wurden.

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Retro der Woche 45/2014

Manchmal mag man bedauern, dass die Zeit der Wetten auf Schachprobleme, auf deren Lösbarkeit, auf bestimmte Eigenschaften der Lösung ziemlich vorbei sind…

Heute schauen wir uns eine Aufgabe an, mit der man sicherlich Wetten gewinnen könnte – aber betrachten wir zunächst die Diagrammstellung genauer:

Dan Meinking
StrateGems 2002, 1. Preis
Beweispartie in 27,0 Zügen (12+14)

 

Wie meistens schauen wir zunächst nach den Schlagfällen: Weiß hat die beiden fehlenden schwarzen Steine auf e3 und f3 geschlagen; da u.a. der [sLc8] fehlt, muss der auf f3 verschwunden sein. Der zweite im Diagramm fehlende schwarze Stein ist [sBa7], der natürlich selbst nicht auf e3 geschlagen worden sein kann. Er muss sich also umgewandelt haben, um sich dann selbst zu opfern oder das Schlagopfer von e3 im Diagramm zu ersetzen.

Drei der vier fehlenden weißen Steine sind sichtbar geschlagen worden, auch diese Schlagopfer können definitiv keine Bauern gewesen sein, aber irgendwie müssen [wBa2] und [wBh2] verschwunden sein.

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Retro der Woche 44/2014

Sehr viele Züge sieht man in der heutigen Diagrammstellung nicht direkt, dennoch ist die Aufgabe zumindest prinzipiell nicht allzu schwer zu lösen, wie ich meine.

Dass das noch nicht bedeutet, dass wir hier auch „leichten, seichten Inhalt“ vorfinden, wird vielleicht schon daran erkennbar, dass das Stück seinen Weg ins FIDE-Album 1998-1991 (dort H15) gefunden hat.

Unto Heinonen
Die Schwalbe 1991, 4. Ehrende Erwähnung
Beweispartie in 21,0 Zügen (16+14)

 

Zählen wir die im Diagramm sichtbaren weißen Züge, so kommen wir auf 13: 5+0+0+2+6; damit sind also noch acht Züge übrig. Schauen wir uns das Diagramm ein wenig genauer an, so fällt sofort auf, dass [sLf8] fehlt: Der muss zu Hause geschlagen worden sein, da er sich nicht hat bewegen können.

Als Schlagtäter gerät natürlich sofort [wSg1] unter Verdacht: in vier Zügen kann er auf f8 schlagen, in vier Zügen wieder zurück sein: Das macht 21 Züge – passt!

Doch Vorsicht!

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Thomas Volet 65

Ganz herzliche Glückwünsche gehen heute über den Atlantik nach New York, wo Thomas Volet seinen 65. Geburtstag feiert.

Thomas ist einer der profiliertesten Komponisten klassischer Retros und hat eine besondere Vorliebe für Auflöse-Probleme mit den verschiedensten Formen des Schachschutzes als wesentliches Thema. Erfreulicherweise sendet er regelmäßig Originalaufgaben an Die Schwalbe, siehe z.B. 16107 im aktuellen Oktoberheft. auch hier im Blog war er schon in den Retros der Woche vertreten, siehe 40/2013 und erst kürzlich 40/2014.

Heute habe ich ein kleines Stück herausgesucht, das auch zum Selbst-Lösen einladen soll.

Thomas Volet
Die Schwalbe 1982, TMV gewidmet, 15. Lob
Woher kommen die TT a1 und h1? (12+12)

 

wLa4 ist Umwandlungsläufer, der aus [wBh2] entstanden ist, deswegen kann Schwarz f7xXe6 noch nicht zurücknehmen. Der West-Käfig kann nur aufgelöst werden mit der Rücknahme sTc3-b3, dafür aber muss der sK nach c1 ausweichen können. Das muss zügig vorbereitet werden, damit Schwarz nicht retropatt wird.

Also R 1.Kf1-e1 a6-a5 2.Kg1-f1 a7-a6 3.Tf1-a1 d6-d5 4.Th1-h3/6 Kc1-c2 5.O-O+ etc.

Die weißen Türme haben also ihre Plätze getauscht, gleichzeitig sehen wir hier das Antirochade-Thema.

Retro der Woche 43/2014

Gelegentlich wird in Auflöse-Retros nicht einfach nur das „Löse auf!“ gefordert, sondern eine konkrete Frage zur Stellungsentstehung gestellt.

U.a. Wolfgang Dittmann hat darauf hingewiesen, dass solch eine Frage versteckte Bedingungen an die Auflösung enthalten kann, z.B. bei der Frage „Kürzester Weg der sD?“ Denn eine Auflösung mit längerem Weg dieser Dame könnte eine Nebenlösung enthalten oder völlig uninteressant sein. So etwas entwertet natürlich eine Aufgabe nicht, man sollte sich der Bedingung aber bewusst sein.

Auch Nikolai Beluchow stellt in der heutigen Aufgabe solch eine Frage – ist dies auch eine implizite Bedingung?

Nikolai Beluchow
Die Schwalbe 2010, 4. Preis
Letzter Zug des schwarzen Königs? (14+12)

 

Der Lackmustest ist zu versuchen, die Forderung Sinn-erhaltend umzuformulieren: „Löse auf unter der Bedingung, dass die sD den kürzesten Weg nimmt.“ Damit haben wir das Beispiel als Bedingungs-Frage entlarvt. Das klappt bei Nikolai’s Stück nicht: „Löse auf unter der Bedingung, dass der sK mindestens einmal gezogen hat.“ ist keine Einschränkung, denn der sK hat ja offensichtlich schon mehr als einmal gezogen.

Hier fokussiert der Autor also ausschließlich auf eine vielleicht besonders interessante Frage der Auflösung, betont, dass die Antwort eindeutig sein soll – und führt den Löser auf einen wesentlichen Inhalt der Aufgabe.

Betrachten wir wie üblich die Schlagbilanz:

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